Haptische Entwicklungsförderung

Die andere Lernhilfe

Institut für Gesundheitsbildung Ute Vetter

 

 

Tonfeld-Begleitung - Tonfeld-Therapie

 

Die Arbeit am Tonfeld® bietet in ihrer Vielschichtigkeit die Möglichkeit in der Hand von Therapeuten (Psychotherapie - Kunsttherapie - Ergotherapie) therapeutisch eingesetzt zu werden und in der Hand von Tonfeld-Begleitern und Pädagogen entwicklungsfördernd eingesetzt zu werden.

 

Der Fokus und die Intention in der Begleitung sind jeweils entsprechend der Ausrichtung der Fachgebiete etwas unterschiedlich.

 

 

Wie ist diese Arbeit zu verstehen?

 

Die Arbeit am Tonfeld® wurde von Professor Heinz Deuser in den 70er Jahren begründet und seither von ihm kontinuierlich weiter entwickelt und wird seit 1972 erfolgreich angewendet.

Es handelt sich dabei um eine phänomenologische Arbeit, in der das Tonfeld stellvertretend für die Art und Weise steht, wie dem Kind, dem Jugendlichen, oder dem Erwachsenen die Welt erscheint bzw. wie sie wahrgenommen werden kann.

 

Das Tonfeld wird dadurch zunächst zu einem unbestimmten Gegenüber, an dem durch Berührung (Sensorik) und Bewegung (Motorik) Erfahrungen gesammelt und sensomotorisch integriert werden können, vermittelt durch die Aktivität der Sinne (Tast- und Hautsinn, Gleichgewichtssinn und Tiefensensibilität).

Der Ton nimmt jede Berührung auf, bildet sie in den entstandenen Spuren ab und lässt Gestaltung und Verwandlung zu. Die Qualität der Spuren im Material und die Intention der Haptik in den Handbewegungen drücken aus, was den Menschen im Inneren bewegt.

Leben ist Beziehung:  zu sich selbst, zu Anderen, zur Natur und zur Umwelt. Lebensgeschichte ist Beziehungsgeschichte und die ist vom Säuglingsalter an durch Berührung und Bewegung geprägt und mit Emotionen verknüpft. So finden sich im Ausdruck der Körper- und insbesondere der Handbewegungen die Beziehungserfahrungen des Menschen, seine Wünsche und Ängste, Freuden und Hemmnisse wieder.

Wird die Berührung und Bewegung des Säuglings mit liebevoller Zuwendung beantwortet, bejaht und bestätigt, entsteht Vertrauen und die Erfahrung von Verlässlichkeit in der Beziehung. Das Kind findet Halt und Orientierung, es kann sein schöpferisches Potential wahrnehmen und sich körperlich, geistig und emotional entwickeln.

 

Wenn die Hin-Bewegung des Säuglings zur Mutter und damit zur Welt unbeantwortet bleibt, gebremst oder unterbrochen wird, entstehen Defizite und Störungen im Verhalten des Kindes. Dieses Verhalten wird dann meist missverstanden und fehlinterpretiert, das eigentliche Anliegen des Kindes darin wird nur selten erkannt. Das Kind  bleibt in seinen Bedürfnissen unverstanden und allein.

Damit fehlt ihm eine wichtige Grundlage für kognitives Lernen und für die Fähigkeit, sich in eine Gruppe in Kindergarten oder Schule zu integrieren. Die dadurch entstandenen Handlungs- und Bewegungsmuster bleiben bestehen und werden im Laufe des Lebens in Krisensituationen immer wieder wirksam.

 

In der Arbeit am Tonfeld® vermitteln die Spuren der Handlungen im weichen Ton dem Arbeitenden über die Ebene des Körperbewusstseins die leibliche Erfahrung der eigenen Bewegung und des eigenen Tuns. Die Konsequenz daraus ist die Antwort des Tons und diese spiegelt das Beziehungsgeschehen wider, wie es der Arbeitende auch im Alltag erlebt.

 

Um diese Erfahrungen integrieren zu können, braucht es einen Begleiter, einen Zeugen, der das was geschehen ist, bestätigt, benennt und damit verifiziert. Ohne diese Bestätigung bleibt die Erfahrung leer, kann nicht verinnerlicht werden und es ist gleichsam, als wäre nichts geschehen.

Viele Menschen kennen das aus ihrem Alltag, sie arbeiten hart und unendlich viel, aber es ist niemand da, der das was sie tun anerkennt und bestätigt. Dadurch bleibt ihr Tun oft leer und kann nicht als Ressource genommen werden.

 

Mit gezielter Ansprache durch den geschulten Begleiter kann sich die Bewegung und Berührung im Tun erfüllen und es entsteht die Freiheit Neues auszuprobieren, festgefahrene Strukturen zu verändern, sensomotorische Störungen auszugleichen, emotionale Defizite nachzuholen, die eigenen Ressourcen zu aktivieren und Entwicklungsblockaden zu lösen.
In diesem Gestaltbildungsprozess wird es möglich, Altes abzulegen, Ängste zu bewältigen, den Alltag zu begreifen und alte Verhinderungen in neue Möglichkeiten zu wandeln.

 

Ausschlaggebend für die Entwicklung der Arbeit am Tonfeld® waren Prof. Deusers Erkenntnisse, dass im Greifen der Hände die eigene Psyche mit begriffen wird. Über die Art und Weise des Greifens und Berührens wird die Beziehungsgeschichte des Einzelnen wahrnehmbar, sein inneres Bewegtsein wird sichtbar, greifbar, ansprechbar und daher wandelbar.

 

Alle Persönlichkeitsentwicklung geschieht durch Beziehung. Jede Beziehungsentfaltung ist immer Selbstentfaltung. Die Arbeit am Tonfeld® nimmt diesen Zusammenhang auf und gestaltet ihn.
In der Berührung der Tonerde durch die Hände bilden sich unbewusste und vorsprachliche, persönliche Beziehungserfahrungen und ihre entsprechenden Beziehungsstrukturen ab.

 

Die Spuren dieser Berührungen und Bewegungen werden von den Händen spürend, tastend, wahrnehmend wieder aufgenommen und verwandelt, neu geordnet. Auf diese Weise entsteht ein sinnengeleiteter (sensorischer), systemischer Prozess der Gestaltbildung der Persönlichkeit, indem sich der Arbeitende sinnenhaft (sensorisch) „be – greifen“ und „um – strukturieren“ kann.

Dadurch werden neue Verhaltensweisen im täglichen Leben möglich, was sich auf das Beziehungsgeschehen auswirkt. Wenn beispielsweise im Tonfeldgeschehen eine Positionierung gelingt, dann kann sich das im Alltag in einer gestärkten Persönlichkeit zeigen, die sich dann auch hier ihre eigene Position erkämpfen und behaupten kann.

 

© Ute Vetter